Was ist eigentlich passives Einkommen?

Ein allenthalben unglaublich viel strapazierter Begriff ist der des Passive Incomes, oder passiven Einkommens. Zu dem Thema sagt gefühlt die halbe Welt, dass es so etwas gar nicht gibt. Und die gefühlte andere Hälfte sagt dazu, dass man, wenn man schon so ranginge, sich nicht wundern müsse, dass man das nicht fände, weil da die Geisteshaltung ja schon nicht stimme.

Schauen wir es doch einmal an.

Mann sitzt im Dschungel mit einer Kokosnuss und genießt den Tag ohne übertrieben viel Aktivität zu entfalten
Der Autor geneißt recht passiv eine Kokosnuss

Natürlich gibt es Einkünfte aus aktiven Tätigkeiten. Ich habe eine Arbeit, erbringe eine Beratungsleistung, überführe ein Auto von A nach B, und für solche Tätigkeiten bekomme ich eine Entlohnung. Monatlich oder eben als Gig. Es gibt eine recht klare Korrelation von Leistung und Gegenleistung und das ganze ist verdammt aktiv. Ich mache etwas und ich bekomme etwas, ich mache nichts und ich bekomme auch nichts.

Am anderen Ende des Spektrums gibt es Einkünfte aus Investments, Dividenden und Renten. Ich habe irgendwann mal Telekom-Aktien gekauft und bekomme nun jedes Jahr Dividenden ausgeschüttet, ohne, dass ich dafür noch irgendetwas tun muss. Das ist zwar schrecklich passiv, noch mehr, wenn ich das Geld für das Ur-Investment geerbt oder im Lotto gewonnen habe. Dennoch ist das nicht, was der Begriff meint. Warum auch immer.

Ein wenig näher kommt dem passiven Einkommen die Vermietung von Dingen, etwa Wohnungen, Autos oder Yachten. Das ist nicht ganz so passiv wie das Kassieren einer Dividende, in aller Regel muss ich dafür etwas tun, etwa eine Immobilie instand halten oder die Crew der Yacht bezahlen (die Crew wird in der Regel gestellt, fass Sie das schon immer wissen wollten). Das kann man aber geistig streng genommen in zwei oder mehr Komponenten aufteilen, die rein aus dem Kapitalertrag (Haus, Yacht) resultierende, und die der „Serviceleistung“ obendrauf. Juristen kennen solche Gedankenspiele, wenn sie überlegen, welcher Teil des Preises eines guten Essens im Restaurant auf den Verkauf der Lebensmittel, die Dienstleistung derer Zubereitung, und die Miete des Tisches entfallen. You get the drift, und eigentlich sind das auch nicht die Gestaltungen, die man typischerweise mit diesem Begriff des passiven Einkommens meint.

Gemeint sind in der Regel Dinge, die sich irgendwo zwischen Royalties und dem Verkauf digitaler Produkte bewegen. Das kann mit Buchtantiemen beginnen, geht über Werbeschaltungen in Youtube-Videos und den Verkauf von Stock-Fotos bis hin zum Affiliate-Marketing. Wenn man das ernst nimmt kann man auch die Erstellung einer Software und deren nachfolgende Lizenzierung darunter fassen.

Der Witz an all diesen Dingen, von denen Sie ohne Ende weitere Beispiele zum Saufuttern durch Bedienen einer beliebigen Suchmaschine finden, ist, dass sie gar nicht so furchtbar passiv sind.

Wenn Sie für ein Musikstück Royalties kassieren wollen, dass müssen sie es erst mal schreiben. Eine patentierte Erfindung, die sie auslizenzieren wollen, müssen Sie erst einmal erfinden. Ein Video, in dem Werbung geschaltet werden soll, muss gedreht, eine Software will programmiert werden. Und aus eigener leidiger Erfahrung darf ich sagen, dass selbst ein Stock-Foto erst einmal gemacht werden will. Und weil Märkte saturieren und Schutzrechtes auslaufen müssen Sie in all diesen Fällen („Last Christmas“ ausgenommen) nachlegen und immer wieder neue Iterationen ihres Produktes / Fotos / Videos nachlegen. Wir reden hier also meist nicht von wirklich passivem Einkommen, sondern vielmehr von Einkommen, bei dem sich der Ertrag, der durch eine Leistung generiert wird, zeitlich zerrt, nicht in einer Einmalzahlung erschöpft.

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