Wie viel Not-Liquidität brauche ich – und welche?

In vielen Artikeln und Blogs zum Thema Vermögensbildung in Investment liest man die Empfehlung, erst einmal eine Cash-Position aufzubauen, bevor angelegt wird. Hintergrund kann hier zweierlei sein: einmal natürlich, ein wenig trockenes Pulver zu haben, falls eine Investment-Chance daherkommt. Oft ist die Idee aber schlicht, für Not- und Krisenfälle eine Reserve zu haben, also unvorhergesehene Ausgaben bewältigen zu können.

Schauen wir uns doch diesen zweiten Fall einmal an.

Um zu wissen, welche Ausgaben unvorhergesehen sind, kann es nicht schaden, erst einmal zu untersuchen, was denn vorhersehbar ist. Monatliche Fixkosten müssen betrachtet werden, Dinge, die ich mir leisten will, und Ausgaben, die zwar nicht regelmäßig anfallen, aber doch planbar sind. Etwa ein Urlaub, denn für den kann ich sparen.

Ah, Freuden der Kreditkarte - am Besten, es ist nicht die eigene
Ah, Freuden der Kreditkarte – am Besten, es ist nicht die eigene

Die Cash-Position muss also „den Rest“ abdecken. Typische Beispiele dürften hier die berühmte „verreckende“ (sie geht nie kaputt, sie „verreckt“ immer) Waschmaschine sein oder der Motorschaden am Auto.

In diesen Fällen braucht man in der Tat ein wenig Geld. Nur: muss man das auf dem Girokonto haben? Das ist ja nachteilig, denn ein nicht angelegter Euro ist ein schlechter Euro, vor allem auf lange Sicht.

Für typische kleine Notfälle sollte der Dispositionsrahmen des Gehaltskontos eigentlich ausreichen. Wenn man kein Bank-Hopping betrieben hat, sondern eine gute Historie bei einem halbwegs vernünftigen Kreditinstitut vorweisen kann, ist es auch als Normalverdiener nicht schwer, 5k oder auch 10k Euro Dispo eingeräumt zu erhalten. Die Waschmaschine muss damit eigentlich gesichert sein und der Vorteil ist, dass der Dispo nichts kostet, wenn ich ihn nicht in Anspruch nehme.

Sollte das nicht genügen, kann eine „echte“ Kreditkarte helfen. Also keine von denen, die am Ende des Monats vollständig ausgeglichen wird, sondern eine, die pro Monat einen Maximalbetrag abbucht, gewissermaßen eine stehende Kreditlinie. Die gibt es oft mit Verfügungsrahmen zwischen 5k bis 10k. Zwar kostet so ein Stück meist 30 oder 40 Euro im Jahr, auch wenn man den Kreditrahmen gar nicht in Anspruch nimmt. Andererseits braucht man aber eine Kreditkarte ohnehin spätestens im Ausland oder für den Mietwagen, so dass man diesen Posten gern als „Ohnehinkosten“ betrachten darf. Meist erlaubt eine solche Karte sogar die Überweisung des Verfügungsrahmen auf ein Konto, so dass man sie gewissermaßen als Dispo-Kredit zweiter Ordnung behandeln kann.

Mit solchen Maßnahmen bekomme ich also – ohne einen einzigen Euro auf dem Konto zu haben – recht schnell um die 20k Notfallliquidität zu moderaten Vorhaltekosten zusammen. Davon kann man zur Not ein Auto kaufen (ob es bei den derzeitigen Finanzierungskonditionen Sinn macht, das mit der Kreditkarte zu bewerkstelligen, sei freilich dahingestellt).

Wenn ich die andererseits 20k Euro Notfallgeld auf dem Girokonto unverzinst liegen lasse und dann 20 Jahre kein Notfall passiert, verschenke ich, 5% Zinsen unterstellt, fast 35k Euro an Ertrag.

Wirklich sinnvoll ist es daher unter dem Gesichtspunkt der Notfallvorsorge nicht, viel Geld auf dem Girokonto für Notfälle liegen zu haben. Hier scheint es mir die bessere Strategie zu sein, an der Kredithistorie zu arbeiten und gute Beziehungen zur Hausbank zu pflegen.

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