Investieren in der Krise

Wer 2008 schon am Leben war der weiß: das chinesische Schriftzeichen für „Krise“ kann auch als „Gelegenheit“ gelesen werden. Das war damals Allgemeinplatz. Erstaunlicherweise hört man das heute selten, obwohl es immer noch genauso ist.

Was tue ich also derzeit?

Aktien

Der Anlass ist zwar kein schöner, wie ja eine Krise nie so richtig schön ist, aber irgendwann muss der schönste Bullenmarkt einmal zu ende gehen. Nun ist es so weit. Für meinen Geschmack spät, wenn man bedenkt, welch trübe Konjunktursorgen schon sein Monaten durch die Lande zogen, während an der Börse die Aktionäre vor lauter Knallen von Champagnerkorken gar nicht mit dem Saufen nachkamen.

Ich bin seit Montag, dem 23.3.2020, offiziell long. Ich schreibe das besser hier hin, damit ich in einem Jahr entweder weiß, wie schlau oder wie dämlich ich war, und ich mir selbst nachweisen kann, wann genau das (Schlau- oder Doofheit) der Fall war.

Mir scheint, dass die meisten, die verkaufen mussten, verkauft haben. Da ist viel De-leveraging passiert, aber seit ein paar Tagen ist da ein Plateau erreicht, wenn auch mit hoher Volatilität. Alle haben die Informationen, alle wissen um exponentielles Wachstum, alle wissen um den Lock-down. Das ist eingepreist. Die Nachrichtenlage wird langweilig, es breitet sich Ferienlageratmosphäre im Homeoffice aus.

Das heißt nicht, dass nichts mehr passieren kann. Kann es. Noch viel. Aber mir scheint, dass die ganz schlimme erste Abwärtspanik vorbei ist. Daher meine ich, etwas mehr als 50% darf man jetzt drin sein.

Im Vergleich mit anderen Krisen, bei denen die Märkte um mehr als 40% fielen, ist noch Luft nach unten. Andererseits: Den idealen Zeitpunkt erwischt man ohnehin nicht. Wenn es weiter runter geht, dann hat man noch Pulver. Wenn es so bleibt und wieder hoch geht, dann ist man dabei.

ETF

Keiner weiß, wie die Wirtschaft nach der Krise konfiguriert sein wird, das Kennzeichen solcher Zeiten ist ja gerade der Regimewechsel. Der Kauf von einzelnen Aktien hat da das Risiko, dass gerade das Papier, in das man investiert, die Hufe hochreißt, den Bach runtergeht und anschließend ins Gras beißt. Ich habe in der letzten Krise persönlich zwei Aktien zu Grabe tragen müssen, das war keine durchgehend angenehme Erfahrung.

Die Idee ist daher, jedes Einzelinvestment mit einem etwa gleichgroßen ETF-Investment zu begleiten: die Welt-AG kann und wird nicht pleite gehen. Die Treiber des Wachstums gibt es ja weiterhin. Die Weltbevölkerung wächst, die Mittelschicht wächst. Der Ressourcenverbrauch kann wachsen oder auch nicht: der zweite Fall wäre vorzugswürdig, und dann bekommen wir eine grüße Wirtschaft. Ich fände das gut. Wachstum heißt Umbau, aber es muss nicht Zerstörung bedeuten.

Immobilien

Meine Pläne zum Erwerb von Immobilien habe ich erst einmal auf Eis gelegt. Die Preise müssen hier fallen, wenn aus der letzten Blase Luft herausgelassen wird. Das wird aber sehr viel länger dauern als bei den anderen Assets, weil die Preise viel stickier sind. Bis hier wirklich Zwangsversteigerungen auf den Markt kommen, wir es Monate und Jahre dauern.

Bitcoin

Ich weiß nach wie vor nicht, was ich von BTC halten soll. In der Sache denke ich, dass es eine nutzlose Technologie ist. Aber Gold ist auch nutzlos, es hat keinen inhärenten Wert, keiner braucht es, dennoch glauben die Leute daran. Bei BTC sehe ich eine neue Generation von Investoren, die ihn ernst nehmen, einfach, weil er sich seit nunmehr einem Jahrzehnt weigert, zu verschwinden. Man kennt ihn, er war schon immer da. Wenn etwas lang genug herumliegt, gehört es irgendwann zum Inventar. Im Mai steht auch das nächste Halving an, nach dem „immer“ (also: alle beiden vorigen Male) ein Bull-run folgt.

Ich bleibe hier daher weiter in Maßen engagiert. Ich bin kein Gläubiger, aber mein Urteil ist begrenzt und ich hedge gegen meine eigene Ignoranz.

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