Megatrends

2021. Ein neues Jahr nach einem interessanten Jahr. 2020 war – so – vermutlich kaum prognostizierbar, auch wenn eine Pandemie kein echtes Black-Swan-Event ist. Denn wäre sie eines, sollte es dafür keine Notfallpläne geben. Gab es aber, wenn auch aus dem Jahr 2011. Merkzettel an die Bundesregierung: öfter mal updaten.

Man darf aber sagen: vom Gesichtspunkt der Investments her war das Jahr fantastisch. Die meisten Aktienindizes auf Höchstständen. Bitcoin im Allzeithoch. Immobilien mit nochmal einer Schippe auf den ohnehin verrückten Bewertungen.

Nun wird es, hoffentlich, nicht jedes Jahr eine Pandemie geben, die alles durcheinanderwirft. Und auch wenn es spannend ist, einen Rücksetzer wie im März 2020 zu nutzen, um kräftig einzusteigen, kann es keine gute Strategie sein, auf solche Ereignisse an der Seitenlinie zu warten.

Sinnvoll scheint mir vielmehr, auf halbwegs prognostizierbare, langfristige Trends zu setzen. Die Frage ist nur: welche sind das?

Wenn man sich die Mühe macht, nach dem Begriff „Megatrends“ oder vergleichbaren Keywords zu googlen, bekommt man jede Menge Material, das meist wenig gehaltvoll ist. Meist kranken die Texte daran, dass man den Wortbestandteil „mega“ in „Megatrend“ nicht versteht. Der macht eigentlich nur Sinn, wenn man an Trends denkt, die unser Leben und unsere Wirtschaft nicht nur in den nächsten Jahren, sondern noch Jahrzehnte bestimmen werden. Also: die ganz, ganz großen Linien. Wie die sich dann in den Details auffalten, das werden wir sehen. Das ist dann Taktik, aber mir geht es heute um die Strategie, oder besser noch: die Übersichtskarte.

Wenn ich in dieser abgehobenen Weise über Megatrends nachdenke, dann erkenne ich nur vier, und alles andere ist eine Funktion davon.

1. Steigender Energiebedarf

Der Energiebedarf wird auch in der Zukunft steigen. Ganz grob korreliert der Energieverbrauch mit Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum. Der Zusammenhang ist recht komplex, weil, gottseidank, die entwickelten Volkswirtschaften effizienter werden, also mit weniger Ressourceneinsatz mehr Waren und Dienstleistungen erzeugen können. Aber die Weltbevölkerung wächst, die Weltwirtschaft wächst, und wenn alles gut geht, werden weiterhin in den Entwicklungsländern arme Leute zur Mittelschicht aufsteigen und damit zu Konsumenten von Waren, Strom und Treibstoffen.

Diesen Zusammenhang sieht man gut, wenn man sich die letzten 10.000 Jahre der Geschichte anschaut, in denen die Menschen erst ihre eigene Muskelkraft genutzt haben, dann die von Tieren, dann Wind und Wasser, später Holz, dann Kohle, Öl, Gas und Kernenergie – auch wenn letztere immer mehr Wunsch als Wirklichkeit war. Irgendwann werden wir Dyson-Sphären bauen, ein Investment ist hier aber noch ein paar Jahrtausende weg.

Klar ist aber auch: der jetzige Energiemix hat keine Zukunft. Es wird in den nächsten 100 Jahren nicht mehr nur um „mehr“ gehen können, sondern es wird um „mehr und besser“ gehen. Das sind natürlich fantastische Nachrichten: ein Um- und Ausbau der Basis alles Wirtschaftens zur selben Zeit.

Wen betrifft das?

  • Energieerzeuger, denn die, nunja, erzeugen Energie. Vor allem solche, die auf Wind, Sonne und Biomasse setzen. Öl und Kohle? Wirtschaftlicher Selbstmord und ich will darin auch nicht investieren.
  • Netzausrüster, denn die Orte, an denen Energie erzeugt wird, werden sich ändern. Sie können auf hoher See liegen oder in der Wüste. Und die Energieerzeugung wird weniger stetig sein. Ein Gaskraftwerk lässt sich fantastisch glatt betreiben, ein Windpark liefert mal mehr und mal weniger Energie. Das Netz muss also viel smarter werden.
  • Infrastrukturunternehmen.
  • Batteriehersteller.

2. Ressourcenknappheit

Energie lässt sich – in erster Näherung und auf die nächsten paar Jahrtausende betrachtet – unbegrenzt erzeugen. Rohstoffe dagegen sind immer knapp. Das werden sie auch bleiben, selbst wenn wir, was wohl noch ein wenig dauern wird, auf Asteroiden, Mond und Mars Bergbau betreiben werden.

Wen betrifft das?

  • Primärsektor, denn irgendwo müssen Rohstoffe ja erst einmal herkommen.
  • Recycling, denn wenn Rohstoffe knapper werden lohnt es sich, Müll zu trennen und die Einzelteile neu zu verwerten.
  • Wasser und Wasseraufbereitung.
  • Müllbeseitigung. Es gibt die Theorie, dass eines der Nadelöhre des Wirtschaftswachstums derzeit ist, dass wir den Müll nicht schnell genug beseitigen können. Mir scheint, das wird eine Goldgrube, zumal wir den (politischen) Trend haben, Externalitäten genauer zu bepreisen.

3. Digitalisierung und Automatisierung

Wir werden immer besser darin, Maschinen arbeiten zu lassen. Und so haben wir immer mehr Zeit, nicht selbst arbeiten zu müssen.

Wen betrifft das?

  • Technologie und Robotik, ganz klar.
  • Entertainment, weil: Panem et circenses. Wer ein bedingungsloses Grundeinkommen hat, muss trotzdem irgendwie seine Zeit herumbringen.
  • Games, einschließlich VR und AR.

4. Alternde Gesellschaft

Die Welt wird immer älter. China wird in 30 Jahren dem heutigen Deutschland gar nicht so unähnlich sein. Und weil viele Länder in Afrika noch jung sind, kann das Älterwerden noch Jahrzehnte weitergehen. Das sind fantastische Nachrichten für die Weltwirtschaft, weil noch lange Arbeitskräfte und Konsumenten dazukommen werden. Es sind aber auch fantastische Nachrichten für alle, die sich mit Medizintechnik beschäftigen. Da warten sicher einige Unternehmen auf den Tag, an dem in China im selben Maße Kniegelenke ersetzt werden wie in Mitteleuropa.

Wen betrifft das?

  • Medizin- und Biotech.

Was ist mit mir?

Ich persönlich werde das kommende Jahr nutzen, um vermehrt in Recycling und Green Energy zu investieren. Vermutlich werden das keine Investments sein, die tesla-artig 600% pro Jahr erwirtschaften. Aber das ist bei Megatrends natürlich nicht der Punkt: ich denke hier an einen Zeithorizont von 20 Jahren.

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